

Siegel Friedrichs II.
"Das geb ich dir mit Brief und Siegel" ist auch heute noch eine nahezu unbedingte Garantie. Wenn sich aber auf einem amtlichen Schriftstück ein Stempel befindet oder ein notarieller Kaufvertrag mit einer Schnur und einem Oblaten- oder Papiersiegel gebunden und verschlossen ist, ist sich kaum jemand dessen bewusst, dass erst durch die Anbringung des Siegels oder des Siegelstempels das Schriftstück Rechtskraft erlangt. Dabei ist das Siegel schon seit der Antike als Verschlusssicherung bekannt, wie Rollensiegel auf Amphoren, Kartuschen an Pharaonengräbern oder Siegel auf römischen Militärpatenten beweisen.
Im Urkundenwesen des Mittelalters allerdings entwickelte sich das Siegel zu einem selbständigen Rechtsmittel, dem der Besiegelung, einer Form der Beglaubigung speziell dann, wenn der Aussteller einer Urkunde nicht mehr eigenhändig unterschreiben konnte. Die Praxis, dass sich ein Bevollmächtigter durch den Besitz und die Verwendung des Siegels dessen, der ihm zuvor die Vollmacht dazu erteilt hatte, ausweisen konnte, hat sich bis heute erhalten.
Für den Historiker ist eine genaue Untersuchung der an Urkunden angebrachten Siegel unerlässlich, da diese nicht nur Aussagen über die Beweiskraft und die an einer Rechtshandlung beteiligten Personen, sondern auch Rückschlüsse auf ihre Bedeutung oder die näheren Umstände ihrer Ausstellung ermöglichen. Aber auch dem Kunsthistoriker bietet die Sphragistik ein weites Betätigungsfeld, da die Darstellungen auf Thron- und Reitersiegeln die Möglichkeit zur Erforschung von Kleidung, Bewaffnung oder Herrschersymbolen und Abbildungen bieten, ebenso wie die Darstellungen auf Städtesiegeln mitunter auch Rückschlüsse auf Baugeschichte und Architektur zulassen. Aufgrund der auf Siegeln in Spätmittelalter und Neuzeit häufigen Wappendarstellungen ergibt sich eine enge Beziehung der Sphragistik zur Heraldik.
Goldbulle Ks. Ludwigs des Bayern an der Urkunde von 1328 Oktober 25 für die Stadt Nürnberg
Neben den meist gebräuchlichen Wachssiegeln wurden auch Metallsiegel - sogenannte Bullen - verwendet, die bei Papsturkunden aus Blei oder bei kaiserlichen und königlichen Prunkurkunden aus Gold hergestellt wurden. Eine dieser Goldbullen - die Kaiser Ludwigs des Bayern - zeigt auf der Rückseite eine der frühesten bildlichen Darstellungen des mittelalterlichen Rom.
(Wolfgang Killermann)
Wilhelm Ewald, Siegelkunde (Handbuch der mittelalterlichen und neueren Geschichte 4), 1914, ND 1978.
Erich Kittel, Siegel (Bibliothek für Kunst- und Antiquitätenfreunde 11), 1970.
Andrea Stieldorf, Siegelkunde, 2004.