Historische Grundwissenschaften und Historische Medienkunde
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Genealogie

Das griechische genealogein heißt übersetzt: "die Abstammung angeben" oder: "einen Stammbaum aufstellen". Schon im Altertum war es weit verbreitet, seine Herkunft von einem berühmten Stammvater abzuleiten, denn der Ahnenstolz war gesellschaftliches Programm. Er förderte das eigene Ansehen, bekräftigte den Anspruch auf eine bevorzugte gesellschaftliche Stellung und legitimierte dynastische Herrschaftsansprüche.

Genea

Aufschwörbuch des Damenstifts St. Stephan in Augsburg (angelegt 1686)

Die Abbildung zeigt den Stammbaum der Maria Augusta Freiin in Baden (aufgeschworen 1728). Die Ahnenprobe war im Spätmittelalter häufig Voraussetzung für den Eintritt in Domkapitel, Stifte und Klöster. Diese Nachweise der Ritterbürtigkeit der Ahnen mußten in der Regel von vier Standesgenossen beglaubigt und beschworen werden - daher der Begriff "Aufschwörung - und wurden meist in "Aufschwörbüchern" zusammengefaßt.

Heutzutage beschäftigt sich die Genealogie als geschichtliche Hilfswissenschaft mit der Erforschung der Abstammungsverhältnisse einzelner Geschlechter und der Beantwortung der sich daraus ergebenden historischen Fragestellungen. Etwa zur Bestimmung von Besitz und Herrschaftsverhältnissen in einzelnen Familien und damit auch zur Bestimmung ihrer gesellschaftlichen und politischen Rolle oder auch zur Lösung von Datierungsfragen kann die Genealogie herangezogen werden. Das eigentliche Ziel der Genealogie ist es jedoch, Abstammung und Verwandtschaftsverhältnisse genau zu bestimmen. Darin unterscheidet sie sich von in ihrer Nachbarschaft liegenden Wissenschaften wie der Prosopographie, die alle einem bestimmten Lebenskreis angehörenden Personen quellenmäßig erfassen will, oder der historischen Familienforschung, deren Bestreben es ist, eine Sozialgeschichte der Familie zu schreiben und den historisch-gesellschaftlichen Charakter der Familie ins Bewusstsein zu rücken.

Wissenschaftliche Genealogie unterscheidet sich aber auch von der privaten Ahnenforschung, wenn sie im Abstammungsnachweis nichts anderes als das Aufpolieren bürgerlicher Ehrbarkeit im Auge hat. Der Wunschtraum, der sogenannte royal descent sind der Alptraum jeder wissenschaftlicher Genealogie. Eine gewisse Liebe zum Detail, Kombinationsgabe und Lust am Tüfteln sollte man für die Beschäftigung mit der Genealogie besitzen.

(Stephan Janker)

Literaturhinweise:

Karl Prinz von Isenburg, Historische Genealogie, 1940.
Otto Forst de Battaglia, Wissenschaftliche Genealogie. Eine Einführung in ihre wichtigsten Grundprobleme, 1948.
Eckart Henning/Wolfgang Ribbe, Taschenbuch der Familiengeschichtsforschung, 11. Aufl. Neustadt a. d. Aisch 1995.