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Epigraphik

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Gürtelschnalle, Reihengräberfeld Lavigny, Kapitalis 6. Jh.

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Gürtelschnalle, Reihengräberfeld Lavigny, Kapitalis 6. Jh.

Epigraphik als eine Nachbardisziplin der Paläographie bedeutet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Inschriften, genauer gesagt mit "Beschriftungen verschiedener Materialien - in Stein, Holz, Metall, Leder, Stoff, Email, Glas, Mosaik usw. -, die von Kräften und mit Methoden hergestellt sind, die nicht dem Schreibschul- und Kanzleibetrieb angehören". Diese Definition von Rudolf M. Kloos (Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit, 1980, S. 2) weist bereits auf den grundlegenden Unterschied zu den Buch- und Urkundenschriften hin, da die Ausführung von Inschriften neben einem anderen Medium auch andere Werkzeuge, Techniken und teilweise auch andere Vorlagen erfordert als die geschriebene Schrift.

Diese Vielfalt der Herstellungsmethoden und der Inschriftträger, welche maßgeblich die Ausgestaltung der Schrift beeinflussen, bedingen ein breites Spektrum an Erscheinungsformen. Die Erforschung dieser Schriften hinsichtlich ihrer formalen Entwicklung durch die Jahrhunderte bildet neben der Untersuchung der sprachlichen Gestaltung die Basis der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Inschriftenkunde in ihrem Bemühen, Lokalisierungs- und Datierungskriterien zu erarbeiten.

Hatten die Inschriften des Altertums in manchen Zeitabschnitten als nahezu einzige schriftliche Überlieferung für viele Bereiche des öffentlichen und privaten Lebens bereits früh das Interesse der Wissenschaft geweckt, so wurde der Quellenwert der Inschriften des Mittelalters und der Neuzeit lange nicht in gleichem Maße gewürdigt. Während die ältere römische Epigraphik allerdings vornehmlich an einer Untersuchung und Auswertung des Inhalts der Inschriften interessiert ist, spielt in der Epigraphik des Mittelalters und der Neuzeit die Erforschung der Schriftentwicklung selbst eine größere Rolle. Die Schriften weisen - je nach Zeiten und Ländern verschieden - häufig Beziehungen zu Auszeichnungs- und Druckschriften, zuweilen aber auch zu Gebrauchsschriften auf.

Die Epigraphik bietet dem Historiker, Kunsthistoriker und Philologen - nicht zuletzt durch die Bereitstellung des Inschriftenmaterials in kritischen Editionen - eine vielseitige Quelle und kann zudem wertvolle Hilfestellung in Fälschungs- und Datierungsfragen leisten.

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Fastradastein (Mainzer Dom)

Für den Fastradastein im Mainzer Dom ergab sich nach epigraphischer Betrachtung ein Entstehungsdatum, das erheblich von der in der Inschrift angegebenen Jahreszahl 794 abweicht. Der Text dieser Grabinschrift mit seiner kunstvollen Reimtechnik weist frühestens in das 12. Jahrhundert, die Schrift in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. Steht diese dekorative Schrift als einzige ihrer Art im Mainzer Inschriftenwesen, so finden sich jedoch fast alle Buchstaben des Fastradasteines in Mainzer Holzschnitten des Erhard Reuwich von 1486. Um diese Zeit dürfte ebenfalls die Entstehung der Inschrift anzusetzen sein, womit ihr auch als Quelle eine veränderte Bedeutung zukommt.

(Franz Bornschlegel)

Literaturhinweise:

Rudolf M. Kloos, Einführung in die Epigraphik des Mittelalters und der frühen Neuzeit, 2. Aufl. 1992.
Helga Giersiepen, Clemens Bayer, Inschriften – Schriftdenkmäler. Techniken, Geschichte, Anlässe, 1995.
Walter Koch, Inschriftenpaläographie des abendländischen Mittelalters und der früheren Neuzeit: Früh- und Hochmittelalter, 2007.

Siehe auch: Epigraphisches Forschungs- und Dokumentationszentrum (EFDZ und http://www.epigraphica-europea.uni-muenchen.de/)

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